Skulptur eines „Mohren“ mit Smaragdstufe erhält neuen Look

Raritäten aus den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen und der Mineralogischen Sammlungen der TU Bergakademie Freiberg werden von den Staatlichen Kunstsammlungen in Szene gesetzt. Die berühmte Skulptur "Mohr" mit Smaragdstufe aus dem Historischen Grünen Gewölbe wird vom Leipziger Künstler Bertram Haude temporär verändert. Die Intervention „Mohr“ mit Mineralien ersetzt die namensgebenden Smaragde mit anthropogenen Substanzen und öffnet damit die Diskussion zu den Themen, was heute als "natürlich" gilt und was Kolonialismus im 21. Jahrhundert bedeutet.

Abb.: "Mohr" mit Smaragdstufe (wohl 1724),

Medieninformaton der SKD vom 02.04.2019

Einladung zum Pressegespräch am Dienstag, den 9. April 2019, 11.30 Uhr
Residenzschloss, Historisches Grünes Gewölbe

mit
Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer  
Bertram Haude, Künstler
Kerstin Flasche, kuratorische Assistenz

Die Skulptur eines „Mohren“ mit Smaragdstufe gehört zu den bekanntesten Kunstkammerstücken aus dem Historischen Grünen Gewölbe. Bei der aus Birnholz geschaffenen, mit Goldschmiedearbeiten und Schmucksteinen verzierten Statuette handelt es sich auf den ersten Blick um einen jungen Mann afrikanischer Herkunft, welcher sich bei näherem Hinsehen aufgrund seines Körperschmuckes und seiner Bekleidung jedoch als indigener Einwohner Floridas erweist. Er trägt auf einem Tablett ein mit Smaragdkristallen besetztes Gestein. Dieses gelangte um 1581 als Geschenk des Kaisers Rudolfs II. an Kurfürst August in die Kunstkammer. Um 1723 schuf Balthasar Permoser die Statuette, welche die Edelsteine originell präsentieren sollte, nach einem Kupferstich aus Johann Melchior Dinglingers Werkstatt.

Im Rahmen der Intervention „Mohr“ mit Mineralien wird der Leipziger Künstler Bertram Haude die historische Gesteinsstufe temporär gegen eine Stufe mit sogenannten anthropogenen Substanzen austauschen. Dabei handelt es sich um Mineralien, die eng mit dem menschlichen Wirken verbunden sind: 2017 gab eine Forschergruppe um den amerikanischen Mineralogen Robert Miller Hazen erstmals eine Übersicht über die sogenannten anthropogenen Mineralien heraus. Diese Substanzen verdeutlichen, wie sich die Folgen menschlichen Tuns in das geologische Grundgerüst der Erde einschreiben. Sie könnten auch nach Millionen von Jahren noch von jener Erdepoche zeugen, in welcher der Mensch zu den wichtigsten Einflussfaktoren auf die Prozesse auf der Erde geworden ist. Chemisch gesehen handelt es sich dabei um Mineralien, dennoch sollten sie nicht so bezeichnet werden, denn die International Mineralogical Association legt ein klares Kriterium fest: Mineralien entstehen „auf natürlichem Wege“. Das macht sie zu einem Kuriosum – und das Kuriose findet in der Sammlung des Grünen Gewölbes Dresden bekanntlich seinen Platz.

Das Projekt fokussiert einerseits auf einen sich verändernden Begriff von Natur – was gilt heute als „natürlich“? Andererseits ermöglicht die Intervention eine kritische Befragung eines historischen Objekts aus einer postkolonialen Perspektive: Die Statuette selbst ist ein Erbstück des Kolonialismus, die anthropogenen „Minerale“ wiederum sind Produkte einer andersgearteten, gegenwärtigen Vereinnahmung durch den Menschen: jener des Planeten.

Bertram Haude möchte durch die subtile Irritation im Ausstellungsraum die Besucher*innen einladen, das folgenreiche Wirken des Menschen im Angesicht seiner Errungenschaften, seiner Kunst und seiner Zukunft zu reflektieren. 

Die ausgewählten Mineralien stammen aus den Mineralogischen Sammlungen des Senckenberg Instituts Dresden und der Mineralogischen Sammlungen der TU Freiberg.

Im Rahmen der Intervention wird ein interdisziplinäres Symposium mit Forscher*innen aus Kunstgeschichte, Mineralogie, Soziologie und Ethnologie stattfinden, um sich aus verschiedenen Perspektiven dem historischen Objekt und der künstlerischen Intervention anzunähern: Freitag, 21. 06. 2019, ab 14 Uhr im Hans-Nadler-Saal und Grünen Gewölbe im Residenzschloss Dresden.

 

 

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